Nachricht
Gespräch mit Julian Rublack

Donnerstag 16. März 2023
Julian Rublack, ehemaliger Schüler aus Brachenreuthe, belegte bei der Wahl zum Sportler des Jahres am 4. März 2023 in Überlingen den 3. Platz

Julian Rublack, hat 2022 die deutsche Marktmeisterschaft im Badminton bei den Special Olympics in Berlin gewonnen. Er wurde in der Folge in Überlingen geehrt, indem er sich in das goldene Buch der Stadt eintragen konnte und war einer der vier Kandidat*innen für die Wahl zum Sportler des Jahres in Überlingen am 4. März 2023. Dort belegte er bei der Wahl zum Einzelsportler den 3. Platz!

Julian sprach mit uns über seine Zeit in Brachenreuthe und seine Erfolge.

Welche Verbindungen hast du zu den Camphill Schulgemeinschaften und insbesondere zum Standort Brachenreuthe?
Julian: Julian: Ich bin im August 2002 im Alter von 10 Jahren nach Brachenreuthe gekommen. Zuerst lebte ich bei Christian und Staya Galle im Tannenhaus. Am Anfang war alles neu und etwas schwer für mich, aber ich merkte schnell, dass die Camphill Schulgemeinschaften das Richtige für mich sind. Mein Zimmer teilte ich damals mit Kevin, unsere Freundschaft hält noch immer an. Überhaupt sind es die ganz tiefen Freundschaften und Kontakte sowohl zu den Mitschüler*innen als auch zu den Mitarbeiter*innen, die ich bis heute mit Brachenreuthe verbinde. Neben Kevin bin ich auch noch immer sehr eng mit Eugenio und Edmund befreundet. In der Schule habe ich Sprachentwicklung, Sprechen, Schreiben und Rechnen von meinen damaligen Schullehrern Heimo Gratza und Elmar Schmid gelernt. Im Internat habe ich den Umgang mit Menschen, den Sinn für Gemeinschaft und meine Gedanken einbringen zu können, was für mich als Autist nicht immer leicht war, gelernt. Christian Galle und Heike Pepper waren als Hausverantwortliche hierbei wichtige Begleiter für mich. Ich habe aber auch viel für den Alltag und das praktische Leben mitgenommen: Das Wäsche- und Kochpraktikum und die Haushaltspflege helfen mir noch heute eigenständig leben zu können. Gesundes Essen zu schätzen und zu genießen war Teil des Lebens in Brachenreuthe und heute bin ich wegen meiner Kochkünste in der Familie und in meiner WG sehr beliebt. Ich kann sagen, dass mich Brachenreuthe aus meiner Isolation und Enge befreit, mich schrittweise ins Leben gebracht hat und mich fit machte für mein jetziges erfülltes Leben.

Was waren Dir in Brachenreuthe besonders wichtige Erlebnisse?
Julian: Besonders gerne erinnere ich mich an das musikalische Leben im Schlehenhaus. In Erinnerung bleiben mir die Auftritte mit der Geige bei der Feier zum 50-jährigen Jubiläum von Brachenreuthe, sowie die Weihnachtsfeiern, die Schulabschlussfeier, das Adventsgärtlein auf der Leier mit Simon Pepper und auch das Klassenspiel (Robin Hood).
Besondere Momente waren auch die Jahresfeste wie Michaeli. Bei Johanni sind wir über das Feuer gesprungen und bei den Weihnachtsspielen trat ich als Hirte, König Balthasar und als Josef auf. Die Klassenfahrt nach England war spitze sowie die weiteren Ausflüge nach Hittisau, ins Brandner Tal, ins Elsass und zum Sonnenbühl. Und ich erinnere mich an die Jugendfeier mit der ganzen Familie. Und die Geburtstage wurden immer besonders schön gefeiert.

Wann hast du mit dem Badmintonspielen angefangen und welche Personen in Brachenreuthe haben dich bei deiner sportlichen Entwicklung besonders geprägt?
Julian: Mein Klassenlehrer Heimo Gratza gab mir 2004 den ersten Badmintonschläger in die Hand. Sehr schnell bemerkte auch mein Hausvater Christian Galle meine große Begeisterung für Sport und nahm Kontakt zu Marian Janisz vom Standort Bruckfelden auf. Er war der Leiter der Badmintonabteilung beim TV Überlingen und nahm mich mit zum Kinder- und Jugendtraining in die Waldorfschule Überlingen. Von einem anthroposophischen Lehrer trainiert zu werden, war für mich ganz entscheidend. Alle merkten schnell, dass der Badmintonsport, bei dem man ein sehr schnelles Reaktionsvermögen benötigt, meine kognitiven Fähigkeiten anregte. Genau wie das Geige spielen.

Konntest du den Sport immer uneingeschränkt ausüben?
Julian: Leider nein. Von 2012 bis 2013 musste ich aus gesundheitlichen Gründen aussetzen. Im Februar 2012 erlitt ich eine Gehirnblutung. In deren Folge ich mir im Krankenhaus eine virale und bakterielle Lungenentzündung zuzog. Zunächst hatten wir gehofft, dass es danach wieder aufwärts geht, aber vermutlich war mein Herz durch die Lungenentzündung so geschwächt, dass ich einen Herzstillstand erlitt. Bei der OP für einen Herzschrittmacher sind dann auch noch Keime in meinen Körper eingedrungen, die wiederum eine Sepsis verursachten. Nun musste der Herzschrittmacher auf der rechten Seite eingesetzt werden und ich fürchtete, nie wieder meine große Leidenschaft, das Badmintonspiel, ausüben zu können. Das machte mich sehr traurig. Doch meine Mutter ermutigte mich während der langen und schweren Krankheitsphase und sagte immer, dass ich wieder spielen können würde.
Trotz einer langsamen Genesung und einer Epilepsie Diagnose im November 2012 konnte ich langsam und stetig und mithilfe meines Trainers das geliebtes Badmintonspiel im April 2013 wieder aufnehmen.

Welche weiteren Interessen hast Du?
Julian: Ich liebe Sport. Im Sommer paddle ich gerne auf dem SUP, mache Langlauf im Winter und fahre Fahrrad. Ich plane schon eine große Radtour um den Bodensee. Neben dem Sport ist Musik meine zweite Leidenschaft. Herr Galle organisierte für mich neben dem Badmintonunterricht auch Geigenunterricht in der Musikschule in Überlingen. Das war Teil seines pädagogischen Planes für mich, der damit wirklich aufgegangen ist!
Ich höre natürlich auch gerne Musik und besuche Konzerte. Außerdem liebe ich das Reisen, Wandern und Spazierengehen und ich liebe das Kochen.

Was sind deine bisherigen Erfolge im Badminton und was möchtest Du noch erreichen?
Julian: 2010 wurde ich Deutscher Junioren Meister bei den Badminton Special Olympics Bremen.
2022 wurde ich Deutscher Meister bei den Badminton Special Olympics nationalen Spielen Berlin
2019 belegten wir bei der Meisterschaft mit dem TV Zizenhausen den 3. Platz. 2022 wurden wir Meisters mit dem TV Überlingen.
Bei den Landesspielen der Special Olympics gewann ich in Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Thüringen jeweils die Goldmedaille.
In diesem Jahr möchte ich die Goldmedaille für Deutschland bei den Special Olympics Weltspielen in Berlin gewinnen und den Klassenerhalt mit meiner Mannschaft TV Überlingen in der Landesliga schaffen.

Wo lebst du heute und was arbeitest Du?
Julian: Ich lebe heute in einer WG von SKID in der Überlinger Altstadt und arbeite als Mitarbeiter bei Ricks Bio Markt in Nussdorf.
Ich habe es meiner Schulzeit in Brachenreuthe zu verdanken, dass ich heute so gut im Berufsleben stehe.

Silke Stahl
Stabsstelle Kommunikation
s.stahl@camphill-schulgemeinschaften.de

Wahl Sportler des Jahres Überlingen

Lorem Ipsum

Mittwochs gibt es ab 18:00 Uhr Pasta – All you can eat


:

Vielen Dank!

Vielen Dank für Ihre Reservierung. In Ihrem E-Mail Postfach finden Sie eine Bestätigung.